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In der bundesdeutschen und der europäischen Diskussion zur Förderung von Chancengerechtigkeit in Wissenschaft und Forschung lassen sich drei strategische Zugänge unterscheiden, die von Regierungen, Universitäten, Förderinstitutionen und Zusammenschlüssen von WissenschaftlerInnen in unterschiedlichem Ausmaß beschritten wurden und werden:

  1. “Fix the Numbers” konzentriert sich auf eine zahlenmäßige Gleichstellung der Geschlechter in Wissenschaft und Forschung;
  2. “Fix the Institutions” setzt sich für Chancengerechtigkeit in Karrieren durch strukturellen Wandel in Forschungsinstitutionen ein;
  3. “Fix the Knowledge” hat zum Ziel, Exzellenz in Wissenschaft und Technologie durch die Einbeziehung des biologischen und sozialen Geschlechts als analytische Kategorie zu stimulieren.

Die strategischen Zugänge 1 und 2 haben mittlerweile mit Unterstützung nationaler und europäischer Förderpolitiken ihren Weg in die gängige Praxis gefunden. Ihre Erfolge erweisen sich jedoch häufig als fragil und lassen die erforderliche Nachhaltigkeit vermissen. Es werden zwar sichtbare Zeichen gesetzt, wie z. B. die Erhöhung der Anzahl der Wissenschaftlerinnen in bestimmten Bereichen. Diese erweisen sich jedoch in vielen Fällen – insbesondere im Hinblick auf die Besetzung von Entscheidungspositionen – als nur von vorübergehender Dauer. Dafür gibt es unterschiedliche Gründe. Ein Grund ist in der bisher unzureichenden Umsetzung des dritten strategischen Zugangs zu suchen: es muss ein Bewusstsein geschaffen werden, das sich dadurch auszeichnet, dass das biologische und soziale Geschlecht auch in Forschungsinhalten verstärkt berücksichtigt werden. Dies kann nur gelingen, wenn alle Beteiligten zu einem Umdenken in der Wissenschaftskultur bereit sind. Hier setzt Zugang 3 an.

Vor diesem Hintergrund nimmt das Projekt „Ready for Dialogue. Fachveranstaltung zur Geschlechterdimension in Wissenschaft und Forschung“ die Integration der Geschlechterdimension in Wissenschaft und Forschung in den Fokus. Bezugspunkt der Argumentation ist der Terminus gender dimension, wie er in den Dokumenten und dem Sprachgebrauch der Europäischen Kommission entwickelt wurde und Verwendung findet; gemeint ist die Integration des biologischen und sozialen Geschlechts als analytische Kategorien in Wissenschaft und Forschung. Während die beiden ersten strategischen Ansätze sich auf Fragen der angemessenen Teilhabe der Geschlechter an und der Förderung von Chancengerechtigkeit im Wissenschaftsbetrieb und seinen (Entscheidungs-)Institutionen (gender equality in research and innovation) konzentrieren, arbeitet der dritte Ansatz darauf hin, Inhalte und Methoden wissenschaftlichen Arbeitens selbst geschlechtergerecht zu formulieren und zu gestalten (gender dimension in research and innovation), um für beide Geschlechter qualitativ aussagekräftige Ergebnisse zu erzielen.

Im Rahmen der internationalen Fachveranstaltung „Ready for Dialogue“ soll ein strategischer Dialog mit zentralen Akteurinnen und Akteuren, Zusammenschlüssen, Forschungseinrichtungen, Institutionen und Vereinen, die sich in- und außerhalb der Hochschulen für die Integration der Geschlechterdimension in Wissenschaft und Forschung einsetzen, angestoßen werden. Ziel ist es, die Wissensebene und die politische Handlungsebene stärker in Austausch zu setzen und bestehende Wissens- und Handlungsansätze nachhaltig zu stärken und auszubauen.

Mit dem Projekt soll ein Beitrag geleistet werden zur zielgerichteten und verbesserten Berücksichtigung und Nutzung des Innovationspotentials der Geschlechterdimension in Wissenschaft, Forschung und Forschungspolitik, um notwendige Impulse und damit einhergehende wissenschaftliche und gesellschaftliche Veränderungen auf nationaler und europäischer Ebene zu intensivieren. Ansatzpunkt ist die Organisation eines nationalen und internationalen Erfahrungsaustauschs zur Sicherung der fachlichen Exzellenz auf diesem Gebiet sowie der Anstoß zu einer zielgerichteten Vernetzung der einschlägigen Akteurinnen und Akteure für Transfer und Verstetigung der zu erwartenden Ergebnisse.

Das Vorhaben wird mit Mitteln des Bundesministeriums für Bildung und Forschung unter dem Förderkennzeichen 01FP1456 gefördert.